Glossar der Psychiatrie – Begriffe einfach erklärt
Willkommen im Glossar von Dr. Seidl erklärt. Hier finden Sie verständliche Erklärungen zu zentralen Begriffen aus der Psychiatrie, Psychotherapie, Psychologie, Neurologie und psychischer Gesundheit. Unser Ziel: Fachwissen entmystifizieren und Orientierung geben.
A
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Entwicklungsstörung des Nervensystems, die im Kindesalter beginnt. Äußert sich durch Mangel an Konzentration, Impulsivität und Unruhe. Auch Erwachsene können betroffen sein.
Affektive Störung
Erkrankung, bei der die Stimmung und das Energieniveau phasenweise über längere Zeit krankhaft verändert sind. Zu den affektiven Störungen zählen Depression und bipolare Störung.
Anpassungsstörung
Psychische Reaktion auf Lebensereignisse, typischerweise Verluste. Die Symptome können einer depressiven Episode ähneln. Die Fähigkeit zur Freude ist aber prinzipiell noch erhalten.
Autismus
Entwicklungsstörung des Nervensystems mit Auswirkung auf Reizverarbeitung, soziale Interaktion, Kommunikation und Verhalten. Die Ausprägung ist individuell sehr verschieden.
B
Burnout
Zustand völliger Erschöpfung als Folge andauernder Überlastung. Grundlegend ist in der Regel eine selbstausbeutende Haltung. Burnout ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne.
Bipolare Störung
Affektive Erkrankung mit manischen (überaktiven) und depressiven (energielosen) Phasen. Früher deshalb als „manisch-depressive Krankheit“ bezeichnet.
D
Demenz
Fortschreitender Verlust geistiger Fähigkeiten, der zum Verlust der Alltagskompetenz führt. Ursache sind sind immer Veränderungen im Gehirn. Häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz.
Depression
Phasenhaft verlaufende, schwere Erkrankung. Hauptsymptome sind die Unfähigkeit zur Freude („Anhedonie“) und ein erheblicher Mangel an Energie.
Dissoziation
Zustand der Abspaltung seelischer Bereiche, z.B. mit dem Gefühl der Unwirklichkeit oder Störungen der Wahrnehmung oder der Bewegungen. Kann Folge eines Traumas sein.
E
Essstörung
Häufig auf dem Boden einer Kontrollthematik oder einer Körperbildstörung. Hierzu gehören Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und Binge-Eating-Störung.
Ergotherapie
Übende Verfahren für Patienten, der Handlungsfähigkeit durch Krankheit eingeschränkt ist. Zielt auf Verbesserung in der Bereichen Selbstfürsorge, Produktivität (Arbeit) und Freizeit.
Exposition
Therapeutische Methode, bei der sich der Patient unter Anleitung bewusst Angst auslösenden Reizen oder Situationen aussetzt. Nach einer gewissen Zeit lässt die Angst üblicherweise nach.
P
Panikattacke
Akuter Teufelskreis aus (grundloser) Angst, körperlicher Reaktion und negativen Gedanken / Bewertungen, die wiederum die Angst verstärken. Kann sich bis zur Todesangst aufschaukeln.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Psychische Reaktion auf außergewöhnliche, bedrohliche, extrem belastende Erlebnisse. Symptome sind u.a. ungewollte Erinnerungen, Übererregung und Vermeidungsverhalten.
Psychiatrie
Medizinisches Fachgebiet, das sich mit Diagnostik, Behandlung und Prävention von psychischen Krankheiten und Störungen beschäftigt.
Psychiater
Arzt mit mehrjähriger, fachspezifischer klinischer Ausbildung und anschließendem Nachweis seiner Befähigung. In der Regel Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Psychoanalyse
Dient der Aufdeckung und dem Verständnis von (unbewussten) Gründen für seelisches Leiden. Hierdurch sollen Veränderungen und Entwicklungen ermöglicht werden.
Psychose
Überbegriff für psychische Krankheiten im eigentlichen Sinne, bei der sich die Qualität des Seelenlebens grundlegend geändert hat. Tritt phasenhaft auf, kann auch chronisch werden.
Psychosomatik
Teilgebiet der Medizin, das sich mit körperlich-seelischen Wechselwirkungen beschäftigt. Ein wesentlicher Aspekt der psychosomatischen Behandlung ist die Psychotherapie.
Psychotherapie
Behandlung von seelischen Störungen mittels Gespräch. Es gibt verschieden Ansätze (z.B. Verhaltenstherapie, Psychoanalyse), die je nach Patient individuell gewählt werden sollten.
S
Selbstverletzung
Schädigung des eigenen Körpers aus unterschiedlichen Gründen. Oft zur Regulation von Spannungen oder zur Selbstwahrnehmung bei Dissoziation, aber auch aus anderer Motivation.
Schizophrenie
Schwere psychische Erkrankung, bei der Denken, Wahrnehmung und Verhalten gestört sind. Typisch sind unter anderem Halluzinationen, Wahn und sozialer Rückzug.
Suizidalität
Planung oder Durchführung von Handlungen, die den eigenen Tod beabsichtigen oder billigend in Kauf nehmen. In aller Regel Ausdruck einer seelischen Krise oder Krankheit, bei der Hilfe nötig ist.
Soziale Phobie
Angst vor Situationen, in denen der Betroffene mit mehreren Menschen konfrontiert ist. Grundlegend kann die Furcht vor (negativer) Bewertung sein. Führt oft zu Vermeidungsverhalten.
T
Trauma
Erschütterndes, schwerwiegendes Ereignis, das die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt. Kann einmalig (z.B. Unfall) oder wiederholt (z.B. Missbrauch in der Kindheit) auftreten.
V
Verhaltenstherapie
Verfahren, bei dem ungewollte Verhaltens- und Denkmuster durch ein Umlernen verändert werden. Beinhaltet Übungen, z.B. Konfrontation mit angstauslösenden Reizen (Exposition).
W
Wahn
Feste, unkorrigierbare Überzeugung, die vom Umfeld nicht geteilt wird. Typisch ist, dass die Entstehung der Wahngewissheit von außen nicht verstehend nachvollzogen werden kann.
Z
Zwangsgedanken
Hartnäckig sich aufdrängende Gedanken, die als unsinnig erlebt werden und zu Spannung und Angst führen. Zur Unterdrückung können Zwangshandlungen durchgeführt werden.
Zwangshandlungen
Dienen dazu, die mit Zwangsgedanken verbunden Ängste zu reduzieren. Zwangshandlungen können stereotyp ausgeführt werden (z.B. kontrollieren) und in Rituale eingebunden sein.